Clevere Glättemeldeanlagen der MeteoGroup

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Ob Regen oder Schnee, tiefstehende Sonne oder Sturm, Nebel oder Glätte – das Wetter kann zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr führen. Bei Temperaturen um 0°C ist es besonders kritisch. In den Einsatzregionen der Winterdienste herrschen dann oft sehr unterschiedliche Bedingungen: An einigen Straßenabschnitten bildet sich Glätte, andere sind nass oder sogar trocken. Einsatzleiter stellen sich in der Übergangszeit zwischen Herbst und Winter sowie Winter und Frühling immer wieder die Frage: Fahr ich zu einer Kontrollfahrt raus oder nicht? Und wenn ja, wohin?

Jörg Riemann, Winterdienstmeteorologe bei Europas größter privater Wetterdienst MeteoGroup, erläutert wie Winterdienste dank der Daten von Glättemeldeanlagen präzise Entscheidung treffen sowie Arbeitszeit und unnötige Kosten einsparen können.

Worin unterscheidet sich die spezielle Messmethode von Glättemeldeanlagen vom traditionellen Wetterbericht aus Funk und Fernsehen?

Der klassische Wetterbericht liefert eine allgemeine Wetterprognose für eine bestimmte Region: beispielsweise werden es an einem Ort 2 Grad und am anderen 4 Grad vorherrschen. Für die Einsatzplanung von Winterdiensten reichen diese Informationen jedoch bei Weitem nicht aus. Ob Glätte auftritt, hängt maßgeblich von der Belagstemperatur der Straße ab. Die Messwerte normaler Wetterstationen werden nach internationaler Norm in 2 Meter Höhe erfasst. Aussagen über die Bodentemperatur lassen sich hieraus leider nicht ableiten. Glättemeldeanlagen hingegen liefern Messdaten von genau dort, wo Glätte entsteht: auf dem Fahrbahn-Belag. Sie erfassen die Lufttemperatur in unmittelbarer Bodennähe zwischen 5 cm und in 2 m Höhe. Im Extremfall kann der Unterschied zwischen diesen Messpunkten bis zu 10 Grad betragen.

Wo sollten Glättemeldeanlagen positioniert sein?

Die Belagstemperatur der Straße wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel von mikro-klimatischen: Ist die Straße zum Beispiel eng bebaut, kühlt sie sich in der Regel nachts weniger stark ab als andere Straßenabschnitte. Auch Bäume am Straßenrand dämpfen den nächtlichen Temperaturrückgang. Dagegen kann es besonders in windgeschützten Senken und Muldenlagen zu einer intensiven Abkühlung an der Straßenoberfläche kommen. Hänge oder Wälder verursachen vor allem bei tief stehender Wintersonne Abschattungen, wodurch die Erwärmung der Straßenoberfläche am Tage ausbleibt. Ein weiterer Faktor ist der Straßenbelag. Kopfsteinpflaster kühlt rascher aus. Auf Brücken, die nicht von tiefen Bodenschichten gewärmt werden, kommt es schneller zum Reifansatz.

Um Streckenvorhersagen präzise zu treffen und Glätte effizient zu bekämpfen, ist es daher erforderlich, die Beschaffenheit der Strecke genau zu kennen. Für die richtige Positionierung der Messtechnik können per Thermal- und Skyview-Mapping besonders glätteanfällige Streckenabschnitte in einem Einsatzgebiet identifiziert werden. Glättemeldeanlagen überwachen dann den Zustand dieser gefährdeten Stellen rund um die Uhr. Der Vorteil für Winterdienste liegt auf der Hand: Schlagen die GMAs an den empfindlichen Stellen nicht an, gilt das auch für alle anderen Streckenabschnitte im Einsatzgebiet. Das heißt, der Winterdienst muss dann nicht ausrücken.

Welche Daten liefern Glättemeldeanlagen?

GMAs sind dafür programmiert, in einer 2 Gradspanne (+/-1Grad) Alarm abzugeben. Erfasst werden die Lufttemperatur in 2 Meter Höhe, die Temperatur in 5 cm über den Boden sowie in 30 cm Tiefe. Außerdem werden der Straßenzustand (feucht, trocken, gefroren), die Luftfeuchte und die Windstärke erfasst. Wir von MeteoGroup stellen unseren Kunden die aktuellen Messdaten und Geo-Vorhersagen für die Glättemeldeanlagen in dem Online-Portal Glätte24.de und unserer Straßen- und Winterdienst-App RoadMaster zur Verfügung. Durch die Fernüberwachung sparen Winterdienste unnötige Fahrten. Zudem können sie jederzeit auf das lückenlose Archiv aller Daten zugreifen z.B. als Nachweis bei Schadensfällen.

Was ist der Vorteil solcher lokalen Messungen für Winter- und Straßendienste?

Straßen- und Winterdienste tragen eine hohe Verantwortung für die Sicherheit im Verkehr. Gleichzeitig müssen sie möglichst effizient arbeiten. Die Begebenheiten des jeweiligen Einsatzortes spielen bei der Erstellung von Wettervorhersagen eine wichtige Rolle. Die Einbindung von Daten der Glättemeldeanlagen ermöglichen es uns, hochpräzise Streckenprognosen zu liefern, anhand derer Winterdienste ihre Routenplanung optimal ausrichten, gefährdete Abschnitte zuerst abfahren und zielgerichtet streuen können.

Wir liefern 36-Stunden, 8-Stunden und 15-Tage sowie Monatsprognosen für Straßenzustand und
-oberflächentemperatur. Zudem bieten wir kurzfristige Glättewarnungen, die Informationen zu Beginn, Intensität und Dauer von Glätteereignissen umfassen. Für den Fall, dass sich Prognosen ändern oder unmittelbar Gefahr besteht, greifen wir Meteorologen zum Telefon (24/7) und informieren unsere Kunden. Langfristige Vorhersagen helfen Winterdiensten, ihren Personal- und Streumittelbedarf einzuschätzen.

Ab wann beginnt die Saison für Winterdienste und Wintermeteorologen?

Für uns Meteorologen ist die Wintersaison heute länger als früher. Prävention wird auf Kundenseite großgeschrieben. Von Ausnahmen abgesehen beginnt die Saison am 1. November und endet zum 15. April. Für Flughäfen und bei großen Stadtreinigungen kann die Saison auch bereits am 1. Oktober starten und bis zum 30. April gehen.

Bei unserer telefonischen Wetter-Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist, erkundigen sich Winterdienste zum einem, um frühzeitig Prioritäten in der Räumung bestimmter Regionen zu setzen. Zum anderen um eine Einschätzung eines erfahren Meteorologen für ihr jeweiliges Gebiet zu erhalten. Häufig gestellte Fragen sind: Wann und wieviel Schnee ist zu erwarten? Wann wird es tauen? Wann hört es auf zu schneien?

Wann fällt der erste Schnee? Gab es früher mehr Schnee?

Dies ist immer abhängig von der Region. Statistisch betrachtet, beginnt der Winter in der Hauptstadt am 16. November. Im Vergleich zu Thüringen, Hessen und dem Ruhrgebiet, wo er bereits Mitte Oktober starten kann, ist dies zu spät.

Die Einschätzung vieler, dass es früher mehr Schnee gab, rührt daher, dass extreme Winter eher in Erinnerung bleiben. Zuletzt gab es 2010 mehr als 40 cm Schnee in Berlin.

Persönliches zum Abschluss: Sind Sie ein Winter- oder Sommertyp?

Ganz klar bin ich ein Sommertyp! Ich mag den Winter nicht. Für Kinder ist die weiße Pracht natürlich toll. Wenn ich eine Art von Winterlandschaft wählen dürfte, dann bevorzuge ich seine Ausprägung in Skandinavien, Russland oder Kanada: klare Nächte, sonnige Tage und viel Schnee! Dies ist bei uns in Mitteleuropa leider eine Seltenheit.

Weitere Infos:

In Kooperation mit MICKS bietet die MeteoGroup Glättemeldeanlagen zur Miete an. Der Wetterdienst berät auch bei der Auswahl und Positionierung der Messtechnik und liefert spezifische Vorhersagen für die Anlagen, so dass gezielt und – wenn möglich – präventiv vorgegangen werden kann.

Informationen zum Autor:
Mein Name ist Jörg Riemann und ich bin als Meteorologe bei der MeteoGroup für die Betreuung der Winterdienste verantwortlich. Diese können mithilfe unserer Straßenwetterdaten die Schnee- und Eisräumung erheblich verbessern.
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